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Umfrage zur Hochzeitsfotografie in der Schweiz

28.03.2018 - 11:35
von Christian Meier
(Kommentare: 2)
Hochzeitsfotografie

Der Markt für Hochzeitsfotografie ist sich stetig am Wandeln. Immer neue Fotografen fühlen sich berufen den "schönsten Tag" in Pixel bannen. Gefühlsmässig kann jeder, der eine digitale Spiegelreflexkamera besitzt, Hochzeitsreportagen machen. 

Doch ist dem auch so? Sind es alles Hobbyfotografen, die an Hochzeiten unterwegs sind? Wieviel bezahlt man denn im Durchschnitt für eine 8stündige Hochzeitsreportage 2018 in der Schweiz?

Ich will es genau wissen und starte eine Umfrage unter Schweizer Hochzeitsfotografen. Erfreulicher Weise nehmen 80 Hochzeitsfotografen und Hochzeitsfotografinnen daran teil. Somit gehe ich davon aus, dass die Zahlen für die Schweiz doch recht repräsentativ sind.

Doch nun zur Auswertung der Umfrage:

Frage: Frauen- oder Männersache?

Die Umfrage bestätigt ein schon lange keimendes Bauchgefühl: Hochzeitsfotografie ist je länger je mehr Frauensache. Darüber, woran es liegt, dass ca. drei Fünftel der Hochzeiten Fotografierenden Frauen sind, lässt sich nur spekulieren. Ob Frauen das Fotografieren einer Herzensangelegenheit, was eine Hochzeit nun mal ist (oder sein sollte), besser liegt als Männern? Oder liegt es daran, dass Hochzeitsfotografie gut auch in Teilzeit neben Kinder und Haushalt betrieben werden kann?

Aus Sicht der Brautpaare ist es schon lange klar. Bei 9 von 10 Anfragen klopft die Braut bei mir an um nach einer Hochzeitsreportage zu fragen. Bei der 10. Anfrage steht die Braut hinter ihrem Zukünftigen und hält die Fäden in der Hand. ;)

Frage: Wo bist du aktiv? In welcher Region begleitest du die meisten Hochzeiten?

Die 80 an der Umfrage teilnehmenden Hochzeitsfotografen kommen aus allen Teilen der deutschsprachigen Schweiz. Erwartungsgemäss sind die Ballungszentren Zürich und Bern am stärksten vertreten. Dass hingegen Basel eher zu einer hochzeitsfotografietechnischen Randregion gehört, hätte ich nicht gedacht. Möglicher Weise spielt da die Nähe und Ausrichtung auf die beiden Nachbarländer Frankreich und Deutschland eine Rolle. Vielleicht sind, ebenso wie in der Ostschweiz, die Heiratswilligen eher gewillt ihr Glück in die Hände eines Fotografens von jenseits der Grenze zu legen.

Verteilung der Hochzeitsfotografen in der Schweiz

Frage: Voll- oder Teilzeithochzeitsfotograf?

Zugegeben, die Frage ob die Hochzeitsfotografie als Haupt- oder Nebenerwerb betrieben wird, lässt sehr viel Spielraum zu. Die eine Fotografin mit zwei Kleinkindern und Haushalt sieht die Hochzeitsfotografie als Haupterwerb, da sie ja mit der Familie nichts verdiene. Andere zählen dieses Business klar als Nebenerwerb. 

Keiner der Teilnehmer wagte es aber die Hochzeitsfotografie als bezahltes Hobby zu deklarieren.

Frage: Ausbildung und Erfahrung?

Bei der Frage nach der Ausbildung fällt vor allem auf, dass gerade mal 12% der aktiven Hochzeitsfotografen in der Schweiz eine fotografische Ausbildung genossen. Das meiste Fachwissen eigenen sich hiesige Hochzeitsfotografen vor allem bei der Arbeit selbst an, aber auch mit Workshops und Fachbüchern. Vereinzelt wird auch "Praktikum" und "Youtube & Videos" genannt.

Die Quintessenz aus diesen Antworten müsste somit für Brautpaare bedeuten: Je mehr Hochzeiten ein Hochzeitsfotograf auf dem Buckel hat, desto besser ist er. Dem könnte man entgegnen, dass ein Fotograf mit mehreren 100 Hochzeiten Erfahrung ev. Engagement und Kreativität der Routine opfert.

Frage: Reich an wie viel Hochzeitserfahrung?

Ja, dann wollen wir doch wissen, wie reich denn Schweizer Hochzeitsfotografinnen und Hochzeitsfotografen an Hochzeitserfahrung sind! 

Erstaunlich: doch mindestens ein Drittel kann mehr als 100 Hochzeiten vorweisen. Neulinge sind nur gerade mal bescheidene 7%.

Sehr spannend ist das Zwischendurch. Jene mit 6 - 20 Hochzeiten Erfahrung (was ungefähr 2 Jahre entsprechen dürfte) sind mehr, als die nächste Kategorie mit 20 - 50 Hochzeiten. Darüber steigt die Zahl wieder an.

Ich erkläre mir das folgendermaßen: Am Anfang einer Hochzeitsfotografenkarriere bietet der Neuling seine Dienste verhältnismässig günstig an um überhaupt zu Hochzeiten zu kommen. Im zweiten Jahr spricht sich rum, dass da wer günstig gute Hochzeitsreportagen macht. Dementsprechend füllt sich das Auftragsbuch schnell und gut - und ebenso die Arbeitsbelastung. So 5 bis 6 Hochzeiten lassen sich neben dem Dayjob, bzw. Kindern und Haushalt gerade noch so managen. Doch wann soll man die vielen Bilder der 15 oder 20 Hochzeiten im 2. Kariere-Jahr alle bearbeiten? Nachts? Zwischen durch? Wo bleibt da die Freizeit? Und die Freunde? Von der Freude an der Arbeit mal gar nicht zu reden.

An diesem Punkt, wenn der Hochzeitsfotograf erkennt, was für ein "Chrampf" Hochzeitsfotografie mit sich bringt, steigen viele wieder aus. Daher der Knick im mittleren Segment. 

Ich bin gespannt auf andere Theorien. Genau dafür ist unten dran ein Beitragsfeld für eigene Meinungen. Ich freue mich über jeglichen Austausch.

Frage: wie viele Hochzeiten pro Jahr?

Wie gerade erwähnt, ist seriös betriebene Hochzeitsfotografie sehr aufwändig und arbeitsintensiv. Deshalb gilt es zu optimieren, so, dass das Business zur eigenen Zeit und zum eigenen Einsatzwillen passt. Da drängt sich die Frage auf, wie viele Hochzeiten pro Saison üblich sind:

Frage: Einzelkämpfer oder Teamworker?

Gut 2/3 aller Teilnehmer der Umfrage sind alleine unterwegs auf Hochzeitsreportage. Die anderen 30 können auf die Unterstützung eines Secondshooters oder Assistenten zählen. Der Vorteil eines Zweitfotografen liegt auf der Hand: Verschiedene Blickwinkel, doppelte Absicherung der Highlights und zwei verschiedene Wahrnehmensweisen. Oftmals wird auch aufgeteilt. Eine begleitet die Braut bei den Vorbereitungen (Getting Ready) und der andere den Bräutigam. 

Zum Teil ist das im Paketpreis für die Hochzeitsreportage inbegriffen (12). Andere verrechnen diese Dienstleistung separat (11).

Frage: Bildbearbeitung

Das Aussortieren und die Bearbeitung der oftmals mehreren Tausend Hochzeitsbilder ist einer der unbestritten zeitintensivsten Posten einer Hochzeitsreportage. Es ist naheliegend hier seinen Aufwand optimieren zu wollen. 

Mich hat jedoch sehr erstaunt, dass mehr als 80% die Bilder selber bearbeitet. Nur mal gerade 10 % greift auf die Hilfe Dritter, oftmals in Indien ansässiger Bildbearbeiter zurück. 

Genau gar niemand gibt die Bilder so ab, wie sie aus der Kamera kommen. Gerade mal 3 Teilnehmer der Umfrage bearbeiten nur eine Auswahl und gibt den Rest der Bilder unbearbeitet ab.

Frage: Wieviel Aufwand für die Bildbearbeitung?

Bildbearbeitung (EBV) ist natürlich ein sehr weit gedehnter Begriff. Die einen verstehen darunter das drüber hauen eines EBV-Filters und andere wiederum fassen jedes einzelne Bild liebevoll an und versuchen das Beste im  Photoshop oder Lightroom und Konsorten aus den Hochzeitsfotos zu holen. 

Preis Hochzeitsreportagen

Was ist denn nun in der Schweiz für eine Hochzeitsreportage zu investieren? Keine einfache Frage hat doch jeder Hochzeitsfotograf unterschiedliche Packages. Bei dem einen ist die Anfahrt schweizweit mit dabei. Bei der anderen kostet Beautyretouche separat.

Dennoch zeigt die Umfrage eine klare Tendenz.

Fazit

Welchen Gesamteindruck vermittelt nun diese Umfrage? Meine wichtigsten Erkenntnisse sind folgende:

  • Durschnittlich kostet eine 8h-Hochzeitsreportage 2'500.-- bis 3'000.-- SFr.
  • Die Schweizer Hochzeitsfotografen bearbeiten zum grössten Teil ihre Bilder noch selber und wenden dafür die 1 bis 2fache Reportagezeit auf.
  • Mehr als die Hälfte haben schon mehr als 50 Hochzeiten Erfahrung.
  • Die wenigsten haben eine fotografische Ausbildung

Was sind für euch die bemerkenswertesten Resultate dieser Umfrage? Zieht ihr andere Schlüsse daraus? Schreibt eure Meinung dazu. 

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Kommentar von Mirjam Zurbrügg |

Herzlichen Dank, lieber Christian, dass du dir die Zeit für diese interessante Umfrage genommen hast! Die Auswertung ist sehr spannend und liest sich total leicht...ich glaube, dass du damit viele Nägel auf den Kopf getroffen hast ;-) :-) Danke!

Kommentar von Frank Metzemacher |

hallo Christian,

vielen dank für ausführliche Aufschlüsselung wie und warum sich die Preise in der Schweiz so gestalten.
Wie nicht anders zu erwarten, liegen die Preise in der Schweiz höher als in Deutschland. Sogar im Schnitt scheinen die Schweizer Fotografen verstanden zu haben, das ein Preisdumping nur ruinös ist. Ich hoffe das die Vernunft auch nach Deutschland schwappt.

LG aus Köln
Frank

Alle Bilder und Texte © 2018 Christian Meier